Dachgeschossausbau Osterwaldstraße

Architekt:innen | Roswitha Then Bergh und Rudi Then Bergh |
Gebäude | Dachgeschossausbau Osterwaldstraße |
Ort | Osterwaldstraße, München |
Jahr | 1991 |
Typologie | Wohnen |
1 Franz Josef Marx, Eigentümer der Osterwaldstraße, im Gespräch mit Pauline Geiger, 2023
2 Roswitha Then Bergh im Gespräch mit Maximilian Boeck, Sophie Steggemann und Bernardo Weiss, 08.02.2024
Unweit des Englischen Gartens und umgeben von altem Baumbestand liegt in der Osterwaldstraße die Villa der Familie Marx. Zu Beginn der 1990er-Jahre möchte die Mutter des jetzigen Eigentümers das Dachgeschoss zur Vermietung an Studierende ausbauen lassen und wendet sich an ihren Bekannten, den Architekten Thomas Herzog, der sie wiederum an Roswitha Then Bergh verweist.¹ Bereits zwischen 1966 und 1968 realisiert Herzog zusammen mit Roswitha Then Bergh und Rudi Then Bergh ein Sommerhaus in Prien am Chiemsee.² Der Dachgeschossausbau in der Osterwaldstraße ist das zweite in einer Reihe von Projekten, die von Roswitha Then Bergh allein bearbeitet werden.
Der Platz für das gewünschte Raumprogramm, das zwei Zimmer, ein Bad, eine Küche und ein Abstellraum umfasst, ist äußerst knapp bemessen. Roswitha Then Bergh macht sich die Geometrie des Walmdachs zunutze und platziert die Trennwände entlang der Dachdiagonalen. Auch die Stützpfosten der Pfette sind parallel zu den Diagonalen gedreht und verleihen dem Raum einen außergewöhnlichen Charakter. Die zwei Zimmer sind lediglich durch eine große Schiebetür getrennt und lassen sich bei Bedarf zu einem großen Raum zusammenschalten. Maßgefertigte Schränke und Regale umgeben den bestehenden Treppenhausblock, die Dachschrägen reichen bis zum Boden. Zur Belichtung werden drei große Dreiecksgauben hinzugefügt, die auch von außen auf die neue Nutzung des Dachgeschosses verweisen. Die Küchenzeile ist in eine der Gauben integriert und auf das nötigste beschränkt. Ein besonderes Detail stellt der platzsparende, runde Esstisch aus Glas dar, der, sie umschließend, eine Pfettenstütze als Träger nützt. Der Zugang zu Bad und Abstellraum erfolgt durch die Küche. Voneinander durch mattierte Glaswände ohne Rahmen abgetrennt, bestimmt der Bodenbelag aus hellgrünen Mosaikfliesen alle Nebenräume gleichermaßen und lässt sie als großzügige Einheit erscheinen. Die platzsparenden Einbaumöbel, die ungewohnten Geometrien und die aufwendige Gestaltung von Bad und Küche machen das Projekt trotz kleinen Raumvolumens zum idealen Beispiel dafür, wieviel Sorgfalt und Ideenreichtum in Roswitha Then Berghs Werk steckt.
Lageplan
Ansicht Straße

Straßenperspektive, Dachgeschossausbau Osterwald- straße 1991, R.+R. Then Bergh, Foto: Pauline Geiger, 2024
Dachgeschoss
Schnitt




Badezimmer Detail, Dachgeschossausbau Osterwald- straße 1991, R.+R. Then Bergh, Foto: Pauline Geiger, 2024
Wohnraum, Dachgeschossausbau Osterwaldstraße 1991, R.+R. Then Bergh, Foto: Roswitha Then Bergh
Badezimmer Detail, Dachgeschossausbau Osterwald- straße 1991, R.+R. Then Bergh, Foto: Pauline Geiger, 2024
Wohnraum, Dachgeschossausbau Osterwaldstraße 1991, R.+R. Then Bergh, Foto: Roswitha Then Bergh
Detail Tisch

Detail Tisch, Dachgeschossausbau Osterwaldstraße 1991, R.+R. Then Bergh, Foto: Pauline Geiger, 2024